Cloud-Computing
Cloud Computing - Fluch oder Segen?
Derzeit sorgt eine neues IT-Modell für Aufregung: Cloud-Computing (etwa: Rechnen in der Wolke).
Damit ist schlichtweg eine Verlagerung von Software, Hardware und Daten ins Internet gemeint, in eine" Wolke" aus verschiedenen Hard- und Softwarelösungen welche zentralisiert zur Nutzung angeboten werden. Der Zugriff auf Daten und Funktionen erfolgt über einen Web-Browser. Als Anbieter dieser Technik(en) sind derzeit u.a. folgende Unternehmen zu nennen: Google, Amazon, IBM, VMWare, SAP und auch Microsoft.
Vorteile
Die Verlagerung der Hardware und Software an externe Anbieter ist aus finanziellen Gründen sehr reizvoll:
- Kosteneinsparungen bei der Hardware
- Es entfallen kostspielige Server und deren gesonderte Peripherie, wie Serverschränke, Kühllösungen usw.
- Die Client-PC's kommen mit einer sehr einfachen Ausstattung aus
- Keine Kosten für Backup und Replikationsserver
- Kosteneinsparungen bei Software und Lizenzen
- Es werden keinerlei Serverlizenzen benötigt
- Software wird nach Bedarf gemietet (SaaS - Software as a Service)
- Keine Antiviren Software erforderlich
- Keine Backupsoftware
- Kosteneinsparung für Administration
- Minimaler Administrationsaufwand, es muß nur der Internetzugang für die Client-Computer verwaltet werden
- KeinerleiWartungsaufwand wie Backup, Optmierung, Updates usw.
- Kostenersparnis Netzwerkstruktur
- Insbesondere bei der Verknüpfung von verteilten Standorten entfallen kostspielige Lösungen wie Standleitungen entsprechende Tunnel-Software usw.
- Auch das LAN fällt wesentlich simpler aus, es werden keinerlei teuren Gigabit-Netzwerke, managed Switches usw. benötigt
Schon bei kleinen Netzwerken lassen sich große Kosten einsparen, in größeren Netzwerken steigt die Ersparnis überproportional. Das ist ein wichtiger Punkt, denn die IT-Umgebung ist in vielen Firmen ein großer, wenn nicht sogar der größte Unkostenfaktor. Die Administration ist sehr zeitaufwändig und Lohnkostenintensiv, außerdem sind Hard- und Software durch ständige Weiterentwicklung einer starken Fluktuation unterworfen. Resultierend aus der starken Leistungsfähigkeit der Anbieter und dem hohen Kundenpotential könnte dieses Konzept sehr schnell weiterentwickelt und in die Produktivumgebungen verbreitet werden.
Alles in allem sehr gewichtige Argumente, insbesondere wenn die IT-Umgebung den größten Kostenfaktor ausmacht, und sich damit direkt auf Preisgestaltung und Wettbewerbsfähigkeit auswirkt. Bei einer starken Marktdurchdringung wird dann vielen Firmen keine andere Möglichkeit bleiben, als das Cloud-Computing statt konservativer Techniken zu nutzen um entsprechend wettbewerbsfähig zu bleiben.
Nachteile
Im Moment sind der marktdurchdringenden Verbreitung des Cloud-Computing einige bzw. ein wesentlicher Nachteil im Wege: Das Auslagern sensibler Firmendaten in eine nicht kontrollierbare Umgebung.
Die entscheidende Frage eines jeden Unternehmer: "sind meine Daten sicher vor unauthorisiertem Zugriff und versehentlicher Löschung durch Hardwaredefekte, Unfall, Brand, Katastrophen usw.?" gilt es zufriedenstellend zu beantworten. Auch das Thema gesetzlicher Aufbewahrungsvorschriften für Belege, Dokumente und z.B. Personaldaten ist zu klären. Das Thema Datensicherheit läßt sich sicherlich zufriedenstellend erklären. Durch Replikationspartner an beliebig vielen und räumlich weit getrennten Standorten läßt sich zuverlässig eine Datenredundanz erzielen, welche den oben genannten Risiken leicht standhält. Auch die Sicherheit vor unauthorisiertem Zugriff kann wahrscheinlich durch Zertifizierung vertrauenswürdiger Stellen sichergestellt werden.
Risiken
Neben den Risiken für den Anwender (siehe Nachteile) besteht eine sehr große Gefahr für die gesamte IT-Industrie. Denn wenn sich das Cloud-Computing flächendeckend als Modell durchsetzt werden alle Bereiche der IT auf den Kopf gestellt:
- Wegfall der herkömmlichen Betriebssysteme, statt dessen reine Browsersystem wie z.B. Google Chrome OS
- Hardware Koppelung an eben solche Betriebssysteme
- Wegfall des Komponentenmarktes, es besteht für den Verbraucher kein Bedarf an Arbeitsspeicher, Festplatten, Prozessoren usw.
- Home Entertainment löst sich komplett aus dem PC und verlagert sich auf das Internet und Fernseher und/oder Spielekonsole als Endgerät
- Wegfall eines großen Anteils an Arbeitsplätzen aus der IT-Administration
- Hardware wird nur noch für die Server Systeme einiger gigantischer marktbeherrschenden Anbieter produziert, damit Preisdiktatur und Entwicklung nur noch nach Vorgabe
- Dienstleistungen wie Kundensupport werden allesamt in Billiglohnländer verlagert, bzw. soweit wie möglich automatisiert
- Softwareentwicklungen nur noch im Auftrag der Cloud Anbieter, keinerlei Open Source Produkte und keinerlei unabhängige Entwickler
- Zentralisierung sämtlicher Funktionen auf die Cloud Anbieter, damit Kontrolle des Internets und sämtlicher Anwender und derer IT-Strukturen
Vielleicht sind die letzten Schritte etwas dramatisch gezeichnet, aber der Trend wird nicht aufzuhalten sein. Die Frage ist nur, wie schnell der Generationswechsel von statten geht. Wenn der Prozess langsam, über einen Zeitraum von wenigstens 30-40 Jahren gehen würde, könnten die umliegenden Strukturen sich neu bilden. Es ist aber zu befürchten, daß aus Kommerzgründen diese Entwicklung mit Hochdruck vorangetrieben wird.
Was das für den Einzelnen bedeutet wird sich zeigen.






